AGB aktuell

09/2018


Impulstag für kleine Gemeinden

Aus ca. zehn Gemeinden kamen wir am 1.9.18 in Leipzig-Grünau zum Impulstag für kleine Gemeinden zusammen. Alte Bekannte, neue Gesichter – die offene, freundliche Atmosphäre war wohltuend! Ich liebe Begegnungen auf Augenhöhe. Wir alle brauchen neue Impulse und jeder kann dazu beitragen. Das erlebten wir beim gegenseitigen Austausch, für den viel Zeit zur Verfügung stand.


Markus Schmidt (EFG Schkeuditz) forderte uns heraus, unser Potenzial neu wahrzunehmen und zu nutzen. Ein Beispiel: Jeder von uns kann sich für Menschen und ihr Leben interessieren; jeder von uns kann in 3 Minuten erzählen, warum er Christ ist. Das ist Ermutigung und missionarische Möglichkeit zugleich.


Gerald Klatt (EFG Neubrandenburg) gab sehr hoffnungsvolle Impulse aus der Gemeindegründungsarbeit weiter.

Da kann man neidisch werden, wenn man sieht was da möglich ist.
Es sind einfache, jedoch zielführende Arbeitsweisen, wie die unkonventionelle Gottesdienstgestaltung und anderes.
Aber niemand hindert uns, alte Strukturen auf den Prüfstand zu stellen, um Kräfte für Neues freizusetzen. „Loslassen“ ist ein wichtiges Stichwort.


Was ist denn grundlegend wichtig für eine Gemeinde? Auf diese Frage ging Dominik Zahn (EFG Gusternhain) in seinem Referat ein. Zielgerichtete Arbeit ist möglich - auch für kleine Gemeinden. Es gibt viele Bibelstellen, die uns auf dem Weg dorthin helfen. Wir brauchen den Mut, ehrlich zu fragen: Wer sind wir als Gemeinde? Wozu sind wir da? Was wollen wir erreichen? Und schließlich: Wie können wir unser Ziel erreichen?


Handouts bzw. Powerpoint-Präsentationen der Referate sind beim Beratungsteam des ChristusForums (AGB) bzw. bei Friedemann Volke erhältlich (F.Volke@ChristusForum.de). Wir danken für die gute Organisation und Moderation dieses Treffens, in welchem wir nicht nur von der Grünauer Oase gut verpflegt wurden, sondern auch hilfreiche Impulse und Anstöße mit in unsere Gemeindesituationen vor Ort mitnehmen konnten.

 


Tamara Schüppel

Teilnehmerin am Impulstag kleine Gemeinden in Leipzig-Grünau


 

 

Nachruf Wolfgang Profft

Am 31. Juli 2017 wurde Wolfgang Profft in die Ewigkeit abberufen. Viele haben ihn durch sein langjähriges überregionales Engagement für die (Ost-) Berliner Glaubenskonferenzen in Erinnerung.

 

Am 22. November 1931 in Oranienburg geboren, waren die Kinderjahre von Kriegs- und Nachkriegszeit beeinflusst und geprägt. Entbehrungen der unmittelbaren Nachkriegszeit schlossen sich an. Dennoch nach vorn schauend absolvierte er eine Elektrikerlehre, die er später mit einem Ingenieurstudium ergänzen konnte.
Die Bedeutung seines Konfirmationsspruches: „ Nicht jeder, der zu mir sagt Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel hinein kommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist“, der ihm am 23. März 1947 auf den Lebensweg mitgegeben wurde, lernte er verstehen durch die persönliche Erfahrung der rettenden Heilstat des Herrn Jesus Christus am Kreuz. So wurde der Schwerpunkt seines späteren Verkündigungsdienstes die Botschaft, „dass durch den Gehorsam des einen (Jesus Christus) die vielen in die Stellung von Gerechten versetzt“ wurden (Röm. 6, 20). Die Ausstrahlung seines Glaubens blieb geprägt von der persönlichen Beziehung zu dem, dessen stellvertretender Gehorsam die eigene Perspektive bestimmt.

1950 lernte Wolfgang Profft seine Frau Adonia kennen; 1954 heirateten beide. Zwei Söhne gingen aus dieser Ehe hervor.
Am 13. August 1961 erlebte er in Berlin den Bau der Berliner Mauer. Christen, die bis dahin im Ostteil Berlins wohnend zu einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde im Westteil gehörten, konnten den Gottesdienst dort nicht mehr besuchen. Wolfgang Profft übernahm die nötigen Behörden-gänge, fand einen geeigneten Gemeinderaum, sammelte die „versprengten Schafe“ und sorgte so für die Gründung der Evangelisch- Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Pankow, deren Gemeindeleiter er noch 1961 wurde. Als sich die Gemeinde 1991 mit der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Wedding,  Buttmannstraße vereinigte, verweigerte er sich dem Ruf nicht, die Rolle des Gemeindeleiters fortzusetzen und übte diesen Dienst bis zum Jahr 2001 aus. Das sind 40 Jahre im Dienst der Gemeinde-leitung! In die Zeit des Dienstes in Pankow fallen die „Berliner Bibeltage“, die jährlich parallel zu den im Berliner Westteil tagenden Glaubenskonferenzen stattfanden. Die dafür notwendige Logistik für Tagungsstätte, Verpflegung und Unterbringung von 800 Teilnehmern sowie Programmplanung und Diensteinteilung lag im Wesentlichen in den Händen von Wolfgang Profft. Zudem hatten die Proffts trotz eher bescheidener Wohnverhältnisse stets ein gastfreundliches, offenes Haus und im seelsorgerlichen Sinn ein offenes Ohr für jeden ihrer Gäste. Stärker werdende gesundheitliche Einschränkungen im Alter führten zu dem Entschluss, nach dem Heimgang seiner Frau im Jahr 2013 zu den Kindern nach Kirchberg (Sachsen) zu ziehen, bei denen er bis zu seinem Heimgang wohnte.

“Möge unser Herr seine Gnade, viel Freude und Segen schenken“ - dieses persönliche Wort von Wolfgang Profft wurde zum abschließenden Segenswort für die Trauergemeinde, die sich am 06. August in Kirchberg versammelt hatte.

Bengt Grünhagen, Berlin

Ist Mitglied im AGB-Vorstand



 

Herzfabrik

Kirche fürs Vogtland

Alles begann mit einem Traum: Wir wollen eine neue Kirche gründen, in der sich Zweifler, Suchende und Neugierige zu Hause fühlen. Wir wollen eine weitere Kirche im wunderschönen Vogtland sein, ein weiterer Teil der großen Gemeinde Jesu. Wir wollen ein Ort sein, wo zweite Chancen verteilt werden, jeder in Freiheit lebt, sein Potenzial entdeckt und Herzen verändert werden. Wir wollen eine Kirche sein, die ihre Liebe, ihren Glauben und ihr Engagement an ihr Umfeld weitergibt. Wir möchten Herzen berühren, verändern und bewegen, sodass sie wiederum ihr Umfeld prägen. Wir wollen „Herzfabrik“ sein.

 

Das war und ist die Vision von Daniel und Tabea Rudolph. Im Frühjahr 2016 haben die beiden für acht weitere Mitgründer gebetet. Zum ersten Teamtreffen Anfang Oktober 2016 hatte Gott genau acht weitere Menschen berufen, um eine neue Kirche im und fürs Vogtland zu gründen.


In der Teamphase haben wir uns ein Jahr lang jeden Sonntag getroffen und uns viele Gedanken darüber gemacht, wie Gott seine Gemeinde sieht. Dafür haben wir die Bibel nach diesem Gesichtspunkt studiert und mehrere Bücher zum Thema gele-sen. Nicht zu vergessen, beschäftigten wir uns mit dem Evangelium, Jüngerschaft, Gebet, Strukturen innerhalb unserer Kirche und damit, wie wir unsere Freunde erreichen können, die Jesus noch nicht kennen. Nach dem theoretischen Teil haben wir gemeinsam gegessen und ganz praktisch Leben geteilt, und aus dem Team wurde allmählich eine kleine Familie.


Um eine Atmosphäre in der Kirche zu schaffen, in der sich unsere Freunde (unsere VIPs) wohlfühlen, haben wir diese interviewt. Wir fragten sie, wie eine Kirche aussehen muss, in der sie sich wohlfühlen würden, was diese Kirche für sie und ihr Umfeld tun müsste und was sie an Kirche frustriert.
Zudem organisierten wir regelmäßig sogenannte Chillout-Veranstaltungen (bspw. Tausch & Plausch, Konzerte, Sommerfeste

 u.v.m.), um unsere Freunde und Bekannten, die Jesus nicht kennen, ganz zwanglos einzuladen, mit ihnen Leben zu teilen und eine Plattform zu bieten, um Menschen mitein-ander zu verknüpfen. Wir netzwerkten fleißig als Team und versuchten, viel Zeit mit unseren VIPs zu verbringen.

Das Evangelium und seine Auswirkungen auf unser alltägliches Leben haben in dieser Zeit tiefe Wurzeln geschlagen. Wir alle wurden ganz neu davon berührt, wie Jesus uns freimachen kann. Ganz persönlich hat es mich bewegt, dass ich die beste Nachricht der Welt nicht für mich behalten kann und darf.

 

Alle meine Freunde müssen es hören und verstehen, dass sie verlorener sind, als sie jemals geglaubt haben, aber in Jesus geliebter sind, als sie jemals gehofft hätten.


Oft fällt es mir noch schwer, die lebensverändernden Worte über die Lippen zu bringen, aber Gott ist geduldig und arbeitet stets an mir. Auch in diesem Bereich durfte ich lernen, dass mein Lebensstil und die Entscheidungen, die ich mit Gott treffe, lauter sprechen und ein Anstoß für andere sein können.

Uns ist es total wichtig, dass wir einfach, verständlich und ohne fromme Floskeln sprechen. Aus diesem Grund haben wir als Team auch trainiert, unsere Geschichte mit Jesus so zu erzählen, dass sie Menschen verstehen, die ihn noch nicht kennen.

 

Weil Kirche eine Familie ist, haben wir uns Zeit genommen, Teamwerte zu formulieren, an denen unsere Freunde sehen und schmecken können, wie sich Familie anfühlt. Immer wieder haben wir


uns darin ermutigt, erinnert und einander herausgefordert, diese Kultur nach innen zu leben, um nach außen anziehend zu sein.
Außerdem haben wir Strukturen und Ideen gesammelt, wie sich die lebensverändernde Nachricht von Jesus in jedem Bereich unserer Kirche widerspiegeln kann. Das Evangelium soll das Zentrum unserer Kirche sein, um das sich alles andere dreht.

 

Wir wünschen uns, dass Menschen Jesus (neu) kennenlernen, aber auch, dass sie Jesus immer ähnlicher werden und mutige Schritte im Glauben gehen.


Aus diesem Grund haben wir viel darüber nachgedacht und gelesen, wie wir Menschen helfen können, echte Jünger zu werden.
Ich selbst durfte lernen, was es heißt, für mutige Schritte zu beten und dann im Glauben aufs unsichere Wasser zu gehen. Beispielsweise über meinen Schatten zu springen, wenn ich meine Freunde zum nächsten Chillout oder Gottesdienst eingeladen habe oder meine Prioritäten im Alltag für Schule, Freunde, Familie und Kirchengründung zu verschieben, ohne dem Strom der Gesellschaft zu folgen und trotzdem in jedem Bereich mein Bestes zu geben. Und immer wieder durfte ich spüren, wie Gott Mut belohnt und aufhilft, wenn ich zu schwach dafür war.
Da „Gebet nicht alles, aber ohne Gebet alles nichts ist“, haben wir uns abgesehen von anderen Planungstreffen einmal die Woche Zeit genommen, um für das Vogt-land, unser Team und unsere VIPs zu beten. Gott hat so viele Wunder getan und Gebete erhört, dass es uns immer wieder ins Staunen versetzt.


Die erste Phase unserer Kirchengründung, unsere sogenannte Teamphase, endete nach ziemlich genau einem Jahr. Dann begann ein neuer herausfordernder Abschnitt. Ab Oktober 2017 haben wir ca. ein halbes Jahr Teamgottesdienste gefeiert.


 

Der Übergang von den persönlichen Teamtreffen zum öffentlichen Gottesdienst war nicht ganz einfach. Kirche ist Gemeinschaft, einander wirklich kennen, nahe sein, ein Zuhause, eine Familie, ein Ort, an dem wir sein dürfen wie wir sind.

Andererseits glauben wir auch an den öffentlichen Charakter von Kirche und die wertvolle Dimension von Gottesdienst und Verkündigung. Ein Gottesdienst, der im Evangelium der Gnade von Jesus sowohl den Christen das „Schwarzbrot“ liefert, Jesus in seinem Wort immer tiefer kennen zu lernen, zur gleichen Zeit jedoch den Menschen, die dem Glauben gegenüber ablehnend oder skeptisch sind, die Möglichkeit zu geben, mit Gott in Verbindung zu kommen.



Nach einem Jahr familiärer Atmosphäre mussten wir also erst einmal gemeinsam trainieren, wie solch ein oben beschriebener Gottesdienst aussehen kann. Wir wünschen uns eine Kirche, die am Puls der Zeit ist, und dafür hatten wir große Träume und Ansprüche, für die es nach und nach Verbesserungen bedurfte und weiter bedarf. Bei all dem Üben und Lernen haben wir stets unser Bestes gegeben und das Unmögliche von Gott erwartet. Dabei war und ist es uns wichtig, dass wir ehrlich und wertschätzend miteinander umgehen. Wir wollten einen Gottesdienst schaffen, der in allen Elementen auf die Menschen ausgerichtet ist, die noch nie in einem Gottesdienst waren. Wir waren davon überzeugt: Wenn wir moderieren, predigen, wertschätzen, authentische Gastgeber sind, Essen austeilen usw. als wären viele unserer nichtchristlichen Freunde dabei, dann würden diese tatsächlich auch kommen. Wenn wir selbst begeistert von unserem Gottesdienst sind, dann würden auch unsere Freunde kommen.


Und so kam es, dass in der Teamgottesdienstphase immer mehr dieser Leute tatsächlich kamen, ohne dass wir offiziell und mit einem Paukenschlag durchgestartet wären.

In dieser Zeit des Aufbaus und Trainings eines Gottesdienstes und damit des zahlenmäßigen Wachstums haben wir versucht, den Gedanken der Jüngerschaft weiter zu entwickeln. Da Jüngerschaft davon lebt, einander zu kennen und miteinander Leben zu teilen, war es unser Ziel eine Kirche zu bauen, die aus Kleingruppen oder „missionarischen Zellen“ besteht.

Die sogenannten „Herzstücke“ unsere Kirche sind in dieser Zeit entstanden und haben kein geringeres Ziel als Menschenherzen zu verändern und zu Jüngern zu machen, die wieder andere zu Jüngern machen.



Jedes Herzstück hat einen Gruppen- und einen Co-Leiter und trifft sich einmal die Woche. In den Gruppen herrscht eine ehrliche Atmosphäre, in der wir unser Leben teilen, mutige Schritte auf Jesus zugehen und Jüngerschaft ganz praktisch umsetzen. Es ist uns wichtig, dass die Herzstücke missionarisch sind und immer wieder Platz für suchende und zweifelnde Menschen bieten. Wir wünschen uns, dass nicht nur Erneuerung an „bekehrten Herzen“ passiert, sondern auch an von Gott abgewendeten Herzen.
Seit unserem ersten offiziellen Gottesdienst Anfang April 2018 feiern wir alle zwei Wochen Gottesdienst. Wir starten mit dem Aufbau und einer Gebetszeit. Dann nimmt jeder Teamleiter mit seinen Leuten seine Aufgabe wahr (Welcometeam, Serviceteam, Technikteam, Gebetsteam…).

Parallel zum Gottesdienst findet für die Kinder „KiKi“ statt. Unsere Kinderkirche ist ein Ort, an dem sich Kids wohlfühlen und Spaß haben können. Noch viel wichtiger ist es uns, dass


die Inputs und Kleingruppen in der Sprache ihres Alters entsprechend gehalten werden, sodass auch Kinderherzen berührt, verändert und bewegt werden. Es ist so schön zu erleben, wie die Kids bereits Werte aufsaugen, sich Charakterzüge ändern und wie sie ihr Umfeld prägen.


In jedem Semester gibt es einen Einsteigerkurs, in welchem Menschen ihre Zweifel bezweifeln dürfen und Fragen über den Glauben gestellt und beantwortet werden. Für diejenigen, die ein fester Teil von Herzfabrik werden wollen, gibt es „Herzschlag“. „Herzschlag“ ist ein Kurs, in dem unsere Werte, Strukturen, Ziele und unsere Vision vorgestellt, nachvollzogen und verinnerlicht werden können.
Abschluss von „Herzschlag“ bildet „Herzsprung“ - ein kompletter Tag, der Menschen helfen soll, eine von Herzen kommende, leidenschaftliche Beziehung zu Gott zu beginnen, oder darin zu wachsen. Dieser Tag bietet ein Umfeld der Stille, des Fastens, der Meditation und des Gebetes, um eine (neue) Entscheidung für Jesus zu treffen, konkrete Schritte zu wagen und Jesus ähnlicher zu werden.

Das Highlight im letzten Herzsprung waren bewegende Geschichten, Menschen, die (zum ersten Mal) ihren Schuldbrief öffentlich verbrannt haben und die spontane Taufe eines jungen Mannes, der von Gottes unfassbarer Liebe ergriffen war. Und wir beten und hoffen, dass dieser Taufe noch viele Weitere folgen werden, weil Herzen vom Evangelium der Liebe Gottes berührt, verändert und bewegt werden, um daraus folgend wieder andere zu bewegen.



Theresa Fitz,
Gründungsmitglied von Herzfabrik


 

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