Teil 1: Das Leitbild (Inhalte)

Das Leitbild „Hören-Verstehen-Leben“ umfasst drei große Bereiche, die in der Theologie meist mit den Begriffen „Bibelkunde“, „Dogmatik“ und „Ethik“ bezeichnet werden:

  • Bibelkunde: Hören auf Gottes Wort
  • Dogmatik: Verstehen der biblischen Zusammenhänge
  • Ethik: Anwendung des Verstandenen auf konkrete Lebensbereiche

Diese drei Bereiche der Lehre bilden das Fundament eines gesunden Wachstums im Glauben und gehören daher in die kontinuierliche Lehrvermittlung der Gemeinde.

Alle Wachstumsthemen sollten innerhalb von 3 Jahren in einer Gemeinde wenigstens einmal (in Predigten und/oder Kleingruppen) behandelt werden.

Hinzu kommt der Bereich „Basics“: Wer neu zum Glauben an Jesus Christus und in seine Gemeinde findet, benötigt Grundinformationen. Diese finden sich in den Modulen 1-8 der linken Spalte, die gemeinsam einen Glaubensgrundkurs (z.B. als Taufkurs oder Gemeinde-Aufnahme-Seminar) bilden, der in wachsenden Gemeinden mehrfach innerhalb von drei Jahren zum Einsatz kommen sollte. Dieser Start-Bereich betrifft also in erster Linie eine spezielle Zielgruppe (die „Starter im Glauben“), während der Wachstumsbereich für die ganze Gemeinde konzipiert ist.

Erklärungen zur Leitbild-Tabelle:

  • Die Übersicht ist von oben nach unten zu lesen, nicht waagerecht.
  • Die kleine Zahl in der rechten unteren Ecke eines Feldes gibt die Anzahl der Themeneinheiten an (unten findet sich die Summe). Zahlen in Klammern signalisieren die geplante Anzahl der Themeneinheiten, die noch in Vorbereitung sind.
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Teil 2: Vorschlag zur Arbeitsweise

Das Grundmodell: Impulspredigt plus Kleingruppen.

Um Lehre in der Gemeinde effektiv zu vermitteln, werden durchdachte Strukturen benötigt, die wiederum nur ihren Sinn erfüllen, wenn Leiter und Mitarbeiter mit der Gabe der Lehre diese Strukturen effektiv zu nutzen wissen.

Am effektivsten ist das Konzept „Hören-Verstehen-Leben“ für diejenigen Gemeinden, die in einer Kombination von Impulspredigten oder Impulsreferaten und Kleingruppen/Hauskreisen arbeiten können.

Das könnte im monatlichen Rhythmus z.B. so aussehen:

1. Sonntag
im Monat

1. Mittwoch
im Monat

2. Mittwoch
im Monat

3. Mittwoch
im Monat

4. Mittwoch
im Monat
Impulspredigt       
Kleingruppen       
Kleingruppen       
Kleingruppen       
Kleingruppen



Sowohl für Impulspredigten (es könnten natürlich auch Impulsreferate innerhalb der Woche sein) als auch für Kleingruppen bietet das HVL-Konzept mit seinem Materialpool Hilfestellungen.

Die Verzahnung von Impulspredigt und Kleingruppe hängt vom Thema ab:

  • Im Bereich Basics hat die Predigt ergänzenden Charakter. Das heißt: Die Module 1-8 können auch ohne Predigt/Referat zum Einsatz kommen (z.B. als Taufkurs).
  • Im Bereich Leben (Ethik) dagegen kommen auch Themen zur Sprache, die sich eher für einzelne Predigten/Referate eignen und nicht für Kleingruppen (ähnlich bei Verstehen Modul 8).
  • Das Feld „Evangelium“ (im Bereich Basics) hat einen eigenständigen Charakter: Es geht um den Erstkontakt mit dem Evangelium und um Anregungen für missionarische Hauskreise/Kleingruppen.
  • Die meisten Module folgen dem Grundmodell „Impulspredigt plus Kleingruppen“, wobei die Zählung der Themeneinheiten in der Regel die Kleingruppenentwürfe betrifft.
  • Um in einer Gemeinde das Lehrkonzept Hören-Verstehen-Leben einzuführen, empfiehlt es sich, mit dem Multiplikatorenseminar 7 „Know-how für Hauskreisleiter“ (siehe S. 4) einen Startschuss zu geben.

Andere Möglichkeiten

Da ein Konzept kein Korsett sein darf, muss es auch andere Möglichkeiten des Einsatzes geben:

  • Eine davon ist, die Predigtentwürfe (oder auch Kleingruppeneinheiten) als Vorlage für systematische Predigten in der Gemeinde zu nutzen.
  • Eine andere Möglichkeit ist, die Leitbild-Tabelle als Grundlage der Lehre in der Gemeinde einzusetzen: Ohne das Material zum Einsatz zu bringen, kann man sich doch an dem Leitbild orientieren, um in regelmäßigen Abständen zu prüfen, ob alle wesentlichen Themen in der Gemeindepraxis vorkommen.
  • Fast jedes Modul ist auch für die Jugendarbeit relevant. Jugendmitarbeiterteams können anhand des Leitbildes die Inhalte von Jugendabenden strukturieren.

Offenes Konzept

Hören-Verstehen-Leben ist als „offenes Konzept“ gedacht:

  • Das Konzept unterstützt lehrbegabte Mitarbeiter in der Gemeinde, aber es ersetzt sie nicht.
  • Entscheidet sich eine Gemeindeleitung, das komplette Konzept in drei Jahren in der Gemeindepraxis umzusetzen, so ist damit nicht verbunden, dass alle Lehrinhalte, die in der Gemeinde zur Sprache kommen, vorgeplant wären. Es gibt viel Raum zur Flexibilität. Dient das Konzept als Grundlage eines systematischen Predigtplans für drei Jahre, so ergibt sich rechnerisch, dass deutlich mehr Sonntage als Themeneinheiten zur Verfügung stehen werden.
  • Im Hintergrund ist der Arbeitskreis „Schulung und Theologie“ damit beschäftigt, die Materiallücken im Konzept nach und nach zu schließen. Es ist aber nicht nötig, abzuwarten, bis zu allen Modulen Material vorliegt. Und die Module sind auch nicht voneinander abhängig – selbst im Bereich Basics ist es möglich, Einzelthemen (z.B. Taufe) zu behandeln.

Teil 3: Begleitende Seminare

(Gemeinde- und Multiplikatorenseminare)

Um Gemeindemitarbeiter in ihrem Lehrauftrag zu unterstützen, Kompetenzen zu vermitteln und mit den Tools des Konzeptes „Hören-Verstehen-Leben“ effektiv zu arbeiten, bietet Markus Schäller (Referent für Schulung und Theologie) eine Reihe von Gemeinde- oder Multiplikatorenseminaren an:

Multiplikatorenseminare.

Multiplikatorenseminar 1 Basics: Grundlagen des Glaubens vermitteln.

In einer Zeit des Spezialwissens auf vielen Gebieten gibt es eine neue Sehnsucht nach den einfachen Wahrheiten, nach den Grundlagen. Was sind die Grundlagen? Was soll jedes Gemeindeglied anderen erklären können? Wie vermitteln wir diese Grundlagen in der Gemeinde?

Multiplikatorenseminar 2 Hören: Exemplarische Bibelkunde.

Zu einem ausgewählten biblischen Buch aus dem Bereich „Hören“ (1Mo, 2Mo, Jos, Ri, Rt, 1Sam, 2Sam, Jer, Mt, Apg, Röm, 1Kor, Eph, Off) werden die entscheidenden W-Fragen erarbeitet. Es geht um Handwerkszeug zur Bibelkenntnis, zur Bibelauslegung (Hermeneutik, Exegese) sowie um Inhalte und Zusammenhänge.

Multiplikatorenseminar 3 Verstehen: Faszinierende Dogmatik.

In diesem Seminar geht es um zwei Schwerpunkte: Zum einen soll ein Überblick über die wichtigsten Themen der Dogmatik entstehen. Zum anderen wird ein (vorher auszuwählendes) Thema genauer unter die Lupe genommen: Z.B. die biblische Lehre vom Menschen (Anthropologie), Heilsgeschichte oder die Lehre von Gott (Theologie).

Multiplikatorenseminar 4 Leben: Grundlagen der Ethik.

Die Begründung ethischer Normen und Werte ist ein wichtiger Bereich für die Gemeinde. Wie kommen wir zu einer biblischen Ethik? Was motiviert Christen, anders zu leben als andere? – Sowohl diese grundlegenden Fragen als auch die konkreten Lebensbereiche Sexualität und Gesellschaft (Sozialethik, Christ & Politik) gehören zum Inhalt des Seminars.

Multiplikatorenseminar 5 Leben: Sexualethische Leitlinien vermitteln.

Im Unterschied zum Gemeindeseminar mit ähnlichem Titel steht hier – wie bei allen Multiplikatorenseminaren – die Vermittlung im Vordergrund. In vielen Gemeinden gibt es einerseits große Nöte in diesem Bereich – und andererseits ein großes Schweigen dazu. Weil dieser Widerspruch untragbar ist, gilt es, Mitarbeitern aller Bereiche Hilfestellungen an die Hand zu geben, um sexualethische Leitlinien bibisch fundiert und didaktisch durchdacht zu vermitteln.

Multiplikatorenseminar 6 Hören-Verstehen-Leben: Predigtwerkstatt: Vom Bibeltext zur Anwendung.

Dieses Seminar hilft all denen, die die Aufgabe haben, biblische Inhalte zu vermitteln. Die Zielgruppe kann ein Hauskreis, eine Jugendgruppe oder die ganze Gemeinde (Predigt) sein. Einzelne Bibeltexte werden in mehreren Schritten untersucht und für die Zielgruppe anwendbar gemacht. Am effektivsten ist dieses Seminar, wenn zwei Termine gefunden werden können. Damit steht zwischendurch mehr Zeit für persönlichen Erarbeitungen zur Verfügung.

Multiplikatorenseminar 7 Hören-Verstehen-Leben: Know-how für Hauskreisleiter.

Kleingruppen- oder Hauskreisleiter/Mitarbeiter sind Schlüsselfiguren bei der lebensnahen Vermittlung von biblischen Lehrinhalten. Fehlt es an klaren Zielen und an Struktur, haben Hauskreise allerdings oft die Tendenz zur Verflachung oder zur Verselbstständigung. Deshalb ist es wichtig, dass Hauskreisleiter/Mitarbeiter die Arbeitsweise mit dem Lehrkonzept Hören-Verstehen-Leben verinnerlichen: Wie sind Impulspredigt und Hauskreisthemen miteinander verflochten? Wie arbeitet man effektiv mit dem Material? Was sind die Grundelemente eines Hauskreisabends? Worauf kommt es in puncto Gesprächsführung an? – Dieses Tagesseminar vermittelt Know-how und ist gut geeignet, um in einer Gemeinde das Lehrkonzept Hören-Verstehen-Leben einzuführen.

Gemeindeseminare

haben das Ziel, wichtige Themen für die gesamte Gemeinde zu entfalten. Dies könnte in einer Reihe von Lehrabenden (o.ä.) geschehen oder in einem Tagesseminar (am Samstag):

Thema 1 Basics: Gerettet um zu retten.

Weil Gott seine Geschöpfe retten will, ist die Rettung von Menschen die Kernkompetenz der Gemeinde Jesu. Gemeinden sind Rettungsboote und einzelne Christen Rettungsassistenten… Dieses Gemeindeseminar zeigt die Groblinien von Gottes Heilsgeschichte auf und wirbt für ein missionarisches Selbstverständnis.

Thema 2 Hören: Der Römerbrief: Hören – Verstehen – Leben kompakt.

Kein anderer Brief des Neuen Testaments bringt die Grundlagen des Glaubens und Lebens so kompakt auf den Punkt wie der Römerbrief. Man muss sich allerdings den Schlüssel zum Verständnis dieses Briefs erarbeiten. Es geht um das biblische Menschenbild, um Sünde, Gesetz und Evangelium, um Hoffnung und Verheißung und um einen kompromisslosen Lebensstil als Christ.

Thema 3 Verstehen: Heilsgeschichte & Zukunft.

Was du erwartest, bestimmt dein Leben! Das Verständnis der Zukunft hat also großen Einfluss auf unser Leben in der Gegenwart. Unser kleines Leben gewinnt angesichts Gottes großer Geschichte an Bedeutung. Es geht um Gottes Geschichte mit seinem Geschöpf Mensch, um den Schlüsselbegriff „Reich Gottes“, um das Wiederkommen von Jesus und um Gottes neue Schöpfung.

Thema 4 Basics/Verstehen: Gemeinde-Sein.

Gemeinde ist kein Gebäude, sondern ein Gebilde. Sie ist ein Organismus, eine „Jesus-Familie“. In diesem Seminar werden die Grundzüge des neutestamentlichen Gemeindeverständnisses entwickelt. Dabei geht es auch um den gaben- und bibelorientierten Einsatz von Männern & Frauen.

Thema 5 Leben: Sexualethische Leitlinien.

Es wäre verantwortungslos, würden wir das Informationsmonopol zum Thema Sex den Massenmedien überlassen. Oft sind die wichtigsten Zusammenhänge der Bibel in diesem Bereich schleierhaft oder werden kritisch hinterfragt. – Mit entsprechenden Lebenskonsequenzen. Deshalb geht es hier um Grundlagen, Fakten, Begründungen und Argumente. Natürlich auch um die aktuellen Themen. Und es besteht die Möglichkeit, im Vorfeld anonym Fragen in der Gemeinde zu sammeln – um sicherzustellen, dass das Seminar am Puls der Gemeinde bleibt.

Thema 6 Leben: Christsein & Gesellschaft.

Christen leben als Staatsbürger mitten in dieser Welt. Zugleich sind sie aber „Himmelsbürger“ – Dieses Spannungsfeld zu leben, ist oft nicht einfach. Es geht hier um den Begriff „Welt“, um Kultur (als Chance und als Gefahr), um das Leben von Christen um Staat und um politisches / gesellschaftliches Engagement.

Teil 4: Materialpool - Hören Verstehen Leben

Ziel ist, dass nach und nach zu den meisten Themenfeldern [1] des Leitbildes je drei verschiedene Kategorien von Material zur Verfügung stehen:

  • Das Wichtigste auf einen Blick: Das Thema bzw. der Text mit seinem Inhalt und Hintergrund im Überblick. Hinzu kommen kurze Hinweise auf weitere Quellen. Im Zeitalter überfließender und oft sehr gegensätzlicher Informationen ist es wichtig, das Wesentliche im Fokus zu haben
  • Impulspredigtentwürfe: Das „Skelett“ einer oder mehrerer Predigten, die primär dazu dienen, die jeweilige Themenserie zu eröffnen.
  • Kleingruppenmaterial: Kurs- und Hauskreisthemen stehen im Download zur Verfügung.

Teil 5: Material für Kurse und Kleingruppen

Im Bereich Basics sind die einzelnen Module so konzipiert, dass man sie sowohl als Kurs oder auch als Hauskreis-/Kleingruppenmaterial verstehen kann. Auch die individuelle Erarbeitung ist möglich.

Man kann bei der Nutzung des Materials sehr textnah vorgehen oder die Themen etwas freier interpretieren (z.B. einzelne Punkte überspringen oder eigene Gedanken einfügen).

Die Module sind in Themeneinheiten aufgeteilt, die jeweils den Stoff für einen Hauskreis- bzw. Kleingruppenabend vorgeben. Manche Module bestehen auch nur aus einer Einheit. Die Einschätzung der Stoffmenge pro Einheit ist eine Frage des persönlichen Arbeitsstils. Die effektive Arbeit mit dem Material setzt eine gute Leitung des Abends (was Vorbereitung und Gesprächsführung einschließt) und mindestens eine Stunde Zeit für konzentriertes Arbeiten voraus (besser 1,5 h [2]). Wenn das von vornherein als Überforderung erscheint, sollte man die Themeneinheiten an geeigneter Stelle noch einmal teilen. Bei Taufkursen etc. könnte man auch einzelne Aufgaben bis zum nächsten Treffen erledigen lassen.

Der Haupttext führt den Anwender durch die wesentlichen Inhalte. Die Fußnoten dienen bei Bedarf der Erläuterung, um das eine oder andere genauer zu begründen oder mit Quellen zu versehen: Fußnoten mit der Lupe (L) erklären  Zusammenhänge, während solche mit dem Buch-Symbol (&) auf wichtige Bibelstellen verweisen. Wer jeder Bibelstelle oder jeder Erklärung intensiv nachgeht, wird bedeutend mehr Zeit benötigen als vorgesehen ist.

 

[1] Hier ist zu bedenken, dass es eine Reihe von interaktiven Aufgaben gibt, die etwas Zeit fordern, aber in der Regel nicht sehr ermüden.

[2] Thematisch bedingt gibt es auch Ausnahmen: Siehe Teil 2 (Verzahnung von Impulspredigt und Kleingruppe).