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AGB aktuell 10/2008 Drucken
Mehr als ein Jahr unter dem Schwerpunktthema "Leitung in den AGB‑GEMEINDEN"

Das Thema Leitung war das Schwerpunktthema der AGB, das bei den Jahresversammlungen 2007 und 2008 und in zahlreichen Regionaltreffen thematisiert worden ist. Neben den Referaten von Dr. Siegfried Buchholz und Joachim Loh hat uns das Schulungsmaterial von EQUIP inspiriert. Da es uns wichtig ist, die Erkenntnisse und Ergebnisse festzuhalten, sollen sie hier zusammengefasst werden. Als Definition hat uns immer wieder der Satz vor Augen gestanden: „Die Gabe der Leitung ist die außergewöhnliche Fähigkeit in der Übereinstimmung mit Gottes Absichten Ziele für die Zukunft zu setzen und sie anderen so mitzuteilen, dass diese freiwillig und harmonisch zusammenarbeiten, um zur Ehre Gotte seine Ziele zu erreichen“.

Davon ausgehend sind uns einige Aspekte zum Thema Leitung deutlich geworden:

1. Wir stellen in unseren Gemeinden eine gewisse Führungsschwäche fest.

Ein Grund dafür ist darin auszumachen, dass das „bruderschaftliche Prinzip“ gemäß Mt. 23, 8 einen hohen biblischen Wert darstellt, der wenn er alleine gesehen wird, wenig Raum für Leitungsstrukturen zulässt. Auch wenn nicht grundsätzlich in Frage gestellt wird, dass es biblisch ist zu leiten, gibt es doch Verunsicherung, wie das geschehen kann. Sind wir nicht berufen zu dienen anstatt zu herrschen? Übersehen wird oft, dass Leiten und Dienen kein Gegensatz sein muss und dass Leitung partnerschaftlich praktiziert werden kann und muss, wenn es gute Leitung sein soll. Nicht selten wird die Führungsschwäche in unseren Gemeinden von solchen ausgenützt, die um ihrer selbst willen Macht haben wollen.

2. Es gibt die Notwendigkeit und sogar eine göttliche Beauftragung zu leiten

Wenn wir die Bibel studieren sehen wir, dass Leitung tatsächlich Gottes Idee ist. Gott ist nicht nur selbst der beste und höchste Leiter, sondern hat uns dazu berufen, ebenfalls zu leiten. Bereits die erste Erwähnung des Menschen in 1.Mose 1,26-32 schließt den Aspekt der Leitung ein. Darüber hinaus werden uns viele Führungspersönlichkeiten vorgestellt, die Gott berufen hat. Im AT sind das u.a.: Abraham, Mose, Josua, Richter, Könige und die Propheten. Im NT neben Jesus, die Apostel, Paulus, Älteste und Diakone. In 2.Mose 3 und 4 wird gezeigt, dass Gott bei Mose keine Ausrede akzeptiert, um nicht leiten zu müssen. Anschaulich wird in Bildern beschrieben, wie „Hirtendienst“ im Sinne der Bibel aussieht (1.Petr. 5,1-5; Hes. 34).

3. Gott gibt uns nie einen Auftrag, ohne uns dafür auch zu befähigen.

Um Leitung wahrzunehmen, hat Gott Menschen begabt und auch mit dem „Charisma“ der Leitung ausgestattet (1.Kor.12, 28; Röm.12,8 ), das an natürliche Talente anknüpfen und sich Erlerntes zunutze machen kann. Nicht jeder Leiter hat dieselbe Art zu leiten. Von daher gibt es unterschiedliche Führungsstile und wir sind in einem Leitungsteam auf gegenseitige Ergänzung angelegt. Gaben und Fähigkeiten der Leitung können entdeckt und sollen weiter entwickelt werden.

Zu den Fähigkeiten eines Leiters gehört:

a) Leiter erkennen ein Bedürfnis, einen Mangel, der behoben werden sollte. (siehe Richterbuch).
b) Sie sehen Möglichkeiten, wie dem Problem begegnet und Abhilfe geschaffen werden kann (Apg.6,1-6). Sie wollen nicht nur den Status quo aufrechterhalten.
c) Sie entwickeln eine Vision und eine klare Vorstellung davon, wie eine positive Veränderungen aussehen und wie sie erreicht werden kann (Nehemia 1-2).
d) Das Problem und die Vision motivieren Leiter zu entschlossenem Handeln in der Verantwortung vor Gott.
e) Sie entwickeln eine leidenschaftliche Hingabe mit der sie auch Mangel an Mitteln begegnen können.
f) Das Handeln führt dazu, dass andere ihre Begeisterung teilen und mitmachen. Leiter bleiben nicht allein.
g) Sie gewinnen Mitarbeiter und bauen Teams auf. Da die Aufgabe für einen zu groß ist, brauchen und gewinnen sie andere Personen.
h) Sie haben die Ausdauer dran zu bleiben, bis die Aufgabe erledigt ist. Aufgaben, die sie anpacken werden oft zu Lebensaufgaben, denen sie sich verpflichtet fühlen.

4. Da der Charakter eines Leiters entscheidend ist, ob Führung zur Hilfe oder zum Problem wird, muss vorrangig auf das Herz eines Leiters geachtet werden.

Die charakterlichen Voraussetzungen für Leiter werden u.a. in Apg. 6 und 1.Tim. 3 beschrieben. Dazu gehören u.a.: Bewährung im Glauben, vorbildliches Ehe- und Familienleben, disziplinierter Umgang mit Geld, Suchtmitteln und ein guter Ruf. Die Charaktereigenschaften eines Leiters können in dem Doppelgebot der Liebe (Mk.12, 33) zusammengefasst werden.

A) Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben …
geistliche Haltung: Verantwortung vor Gott; Beziehung zu Gott; geklärte Vergangenheit; Werte der Bibel; Hingabe

B) Deinen Nächsten lieben –
„soziale Kompetenz“: Leben in guten Beziehungen; für den anderen das Beste wollen; Einordnung; Verantwortung voreinander.

C) Wie dich selbst –
„Selbstdisziplin“: Charakterstärke; Vertrauenswürdigkeit; Selbstbewusstsein; Beständigkeit.

- Starke Leiter beziehen ihre Kraft aus ihrer geistlichen Identität - nicht aus Status und Titeln.
- Starke Leiter haben die Größe, sich selbst demütig zu halten, - anstatt sich über andere zu stellen.
- Starke Leiter bringen anderen Wertschätzung entgegen – anstatt diese durch ihre Leitungsaufgabe bekommen zu wollen.

5. Da die Entwicklung unserer Gemeinden auch davon abhängt, ob sie in Zukunft gut geleitet werden, bemühen wir uns besonders um Nachwuchsförderung.

Gute Leiter haben Nachwuchsförderung im Blick. Sie delegieren Aufgaben und geben schrittweise Verantwortung an die nachfolgende Generation ab. Sie helfen dieser, ihre Begabung zur Entfaltung zu bringen und Erfahrungen zu sammeln, schützen sie bei Fehlern und geben Raum für Veränderungen. Leiter mit Weitblick haben kein Problem damit, dass nachwachsende Leiter an ihrer Stelle Leitungsverantwortung übernehmen.

      Der AGB-Bruderrat und die Geschäftsführung

 
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