| AGB aktuell 04/2008 |
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Gerettet um zu retten! Vielleicht haben viele Christen diesen Reflex verlernt, aber eigentlich ist er völlig normal: Wenn jemand in Not ist, dann rettet man ihn. Man versucht es zumindest. Keiner darf in Deutschland Auto fahren, ohne einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert zu haben. Manche haben auch nach dem Kurs mit Lebensrettung nicht viel am Hut. Doch andere Ersthelfer muss man sogar bremsen. Sie vergessen im Einsatz für die Rettung eines Menschen sich selbst und riskieren ihr Leben dabei. Aber zurück zum „Rettungsreflex“ von Christen: Wie sieht es damit aus? Wo sind die Ersthelfer, die man bremsen muss, weil sie übermotiviert („Hilfe, die Ersthelfer kommen!“) und voller Adrenalin zur Tat schreiten? Die Problematik für viele traditionelle Christen fängt schon damit an, dass der Begriff „Rettung“ zu den gewohnten christlichen Vokabeln gehört. Die Dramatik jeder Rettungsaktion ist der Normalität gewichen. Wir Christen in Deutschland haben ein riesiges Arsenal an Rettungsequipment. Aber uns ist eine Sache nicht klar: Warum eigentlich Rettung? Rettung wovon? Rettung wofür? Vergiftung – warum uns die Sünde fertig macht. Das Drama beginnt in der Urgeschichte dieser Welt. Die Ureltern der Menschheit haben den Eindruck, dass es sinnvoll sei, sich von Gott zu emanzipieren. Sie sprechen nach fieser Manipulation durch die Schlange dem Schöpfer ein destruktives Misstrauensvotum aus. Sie brechen in einer Welt unglaublicher Schönheit und Freiheit das einzige Gebot, das die Grenze zwischen Schöpfer und Geschöpf markiert. Es folgt eine Katastrophe. Das Prinzip Sünde macht sich breit und die Geschöpfe kaputt. Der Tod – etwas Abartiges in Gottes ursprünglicher Welt – hält Einzug. Die Existenz wird zum zeitlich limitierten Schicksal. Sünde durchzieht jede Faser unseres Menschseins. Sie lässt uns Dinge tun, die wir eigentlich ablehnen. Sie kanalisiert unsere Sehnsucht zur Sucht. Sie lässt uns unsere Mitmenschen traktieren, obwohl wir genau wissen, dass wir sie brauchen. Die Sünde macht uns fertig. Bis zum Ende der Fahnenstange. Jedes Geschöpf geht auf sein Ende zu. Und hat Angst davor. Und dann folgt ein merkwürdiger Satz, den der Schöpfer an die Schlange (Satan) richtet: „Und ich werde Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du, du wirst ihm in die Ferse beißen.“ (1.Mose 3,15). Man nennt diesen Vers auch „Protevangelium“, den Prototyp des Evangeliums: der Funken einer Rettungsnachricht in einer dramatischen Situation. Feindschaft zwischen Satan und Frau und ihren jeweiligen Nachkommen. Satan, der hinter aller Sünde steht (aber uns keineswegs entschuldigt, weil wir sie selber tun), ist unser Feind. Die Giftschlange beißt allen Nach-kommen der Urmutter Eva in die Ferse. Wir sind vergiftet! Und wer vergiftet ist, wartet auf seinen Tod. - Es sei denn, es kommt rechtzeitig der Notarzt mit dem Antiserum. Der Schlange wird der Kopf zertreten. Wird... zertreten. Und so findet sich in alten jüdischen Quellen die Hoffnung: „Es ist eine Heilung vom Fersenbiss der Schlange vorhanden am Ende der Tage, in den Tagen des Messias.“ Notruf – warum unser Schrei nicht auf taube Ohren stößt. „Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leib des Todes?“ - besser kann man den Schrei nach Rettung nicht ausdrücken als Paulus in Römer 7,24. Aber wo hört man heute diesen Schrei eigentlich? Viele sind sich nicht bewusst, dass sie vergiftet sind. Sie tun so als wäre alles in Ordnung. Als wäre Vergiftung der Normalzustand. „Vergiftung – so ein Quatsch, mir geht’s gut.“ - Wirklich? Grundsätzlich stellen sich für uns Menschen nur zwei Fragen: Haben wir kapiert, dass wir vergiftet sind und dringend Hilfe brauchen? Funken wir den Notruf auf der richtigen Frequenz? Rettungsstelle – warum es auf diesen Ort ankommt. Es gibt im Alten Testament, während der langen Umleitung Israels auf dem Weg ins verheißene Land, so manche interessante Begebenheit, die zum Nachdenken anregt. Eine davon steht in 4.Mose 21: Der Weg wurde lang, die Beine und Herzen schwer, „die Seele des Volkes wurde ungeduldig“. Dann folgen Vorwürfe und böse Worte gegen Gott und Mose. Das Volk treibt in eine Meuterei. Plötzlich tauchen im Lager der Israeliten Giftschlangen auf, deren Bisse viele Todesopfer fordern. Diese Lebensgefahr treibt die Menschen wieder zu Gott, der daraufhin Mose einen merkwürdigen Auftrag gibt: „Mache dir eine Schlange und tu sie auf eine Stange! Und es wird geschehen, jeder, der gebissen ist und sie ansieht, der wird am Leben bleiben.“ (V.8). - Eine Metallschlange wirkt wie ein Antiserum? Man muss sich zu ihr hinbegeben und sie anschauen? Muss das wirklich sein? Themenwechsel: Ich seh das Kreuz: Und nichts andres muss ich sehn. - Ich seh das Kreuz: „Komm und glaube“ ruft es mich. Kein andrer Weg, der zur Freiheit führt, um Versöhnung zu erfahren. Kein andrer Ort, der Vergebung bringt, wo der Preis für uns bezahlt ist... Dieses Lied von Brian Doerksen ist vielen gut bekannt. Und es bringt auf den Punkt, worum es geht: Um diesen Ort. Um dieses Kreuz. Um das Prinzip von Johannes 3,14-17: „Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. ... Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn errettet werde.“ - Rettung gibt es nur hier an der „Rettungsstelle“. Rettungsassistent – warum Gerettete die besten Retter sind. Es liegt im Wesen von Rettung, dass sich Gerettete an der Rettungsaktion beteiligen. Dankbarkeit über die eigene Rettung kann kaum aus der Tiefe unseres Herzens kommen, wenn uns das Schicksal derer kalt lässt, die in Not sind. Jesus „ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lukas 19,10) und er gibt seine Mission an seine Jünger weiter: „Wie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch.“ (Johannes 20,21). Folglich sind alle, die Jesus nachfolgen, „Botschafter an Christi Statt“ (2.Korinther 5,17). Anders formuliert: Sie sind „Rettungsassistenten“, „damit auch (andere) die Errettung, die in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit erlangen“ (2.Timotheus 2,10). Welche Rolle wir im Rettungsteam spielen, ist eine andere Frage. Ob Helicopterpilot, Notarzt oder Rettungssanitäter... Hauptsache Rettung. Der Teamchef in der Zentrale wird uns schon dort einsetzen, wo wir mit unseren Fähigkeiten gebraucht werden. Wer kein Blut sehen kann, kriegt eben einen Bürojob. Aber Fakt ist: Jesus will retten – und er will uns dabei haben. Ist das zuviel verlangt? Ja, das ist es – und zwar dann, wenn uns nicht klar ist, dass die Rettungsaktion in erster Linie wegen uns, wegen mir erfolgen musste. Wenn wir das berühmte „pro me“ („für mich“ ... ging Jesus ans Kreuz) der Reformation nicht verinnerlicht haben. Wenn wir nicht verstanden haben, was Vergiftung bedeutet. Wenn wir die Sünde unterschätzen und den wahren Zustand dieser Welt nicht sehen. Wenn Rettung für uns ein Fremdwort oder eine fromme Vokabel ist. Rettung - Es geht um die neugeborenen Säuglinge im Müllcontainer. Und um die die verzweifelten jungen Teeny-Mütter. Es geht um den Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite, um die Mitschülerin, um die Kollegen in der Firma, die Kunden im Supermarkt... es geht um die Menschen, denen wir begegnen. Auch um die, die glauben, dass sie keine Rettung brauchen. Es geht um geliebte und geniale Geschöpfe Gottes. Vergiftete Geschöpfe. Gerettet um zu retten – das ist das Selbstverständnis missionarischer Christen, die Daseinsberechtigung der Gemeinde Jesu in dieser Welt. Willkommen im Rettungsteam! Markus Schäller (Referent für Schulung & Theologie in der AGB)
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