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An die Hand nehmen und rechtzeitig loslassen. Jahresversammlung der AGB in Wuppertal

Das „Modell Christ" kann für unsere Gesellschaft große Vorbildfunktion haben. An diesem Vorbild kann deutlich werden, wie man Probleme in unserer Zeit anpacken kann. Christen und Gemeinden können verändernd in unsere Gesellschaft hineinwirken. So Jochen Loh auf der Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden (AGB) am 24. März in Wuppertal.

ImageIn seinem Referat zum Schwerpunktthema „Bewusst leiten" bekräftigte er, dass Brüdergemeinden nach wie vor ein Modell für die Zukunft sind, denn „Brüdergemeinden sind schriftgebunden, gabenorientiert, selbständig, laiengeführt, missionarisch, christozentrisch und sehen sich als Teil der ganzen Gemeinde Jesu".

Manchmal gäbe es jedoch eine Angst zu führen, weil alles partnerschaftlich und einstimmig entschieden werden soll. Dazu kämen Probleme aus unklaren Strukturen und eine Konfliktunfähigkeit. Eine Leitung müsse aber Probleme klar ansprechen. Schwache Leiter habe wenig Sicht für Nachwuchsförderung. Darum täte sich die folgende Generation auch schwer Verantwortung zu übernehmen. Um neue Mitarbeiter zu gewinnen müsse man bewusst auf Geschwister zugehen, weil die wenigsten von sich aus kämen. Leiter müssten Aufgaben abgeben können und zwar konsequent und transparent für die Gemeinde. Auch sollten sie sich ständig weiterbilden und auch ihre Mitarbeiter fördern.

Dabei bräuchte die Gemeinde keine Manager, sondern Väter in Christus, die bereit seien Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen. Leiten sei immer ein persönliches Risiko. In einer Gemeinde würden genauso Visionäre wie auch konservative und vorsichtige Geschwister benötigt. Mit zunehmender Gemeindegröße würde die Organisation komplexer. Dennoch solle man – abgesehen von grundlegenden Notwendigkeiten – so wenig wie möglich regeln. „Es soll genug Freiraum für das Wirken des Heiligen Geistes bleiben." Eine der Stärken der Brüdergemeinden sei die Autonomie der Ortsgemeinden. Durch die Leitung durch Laien seien sie viel flexibler als andere Gemeindeleitungen. Man brauche keinen Bischoff zu fragen und könne schnell entscheiden. Deshalb solle man Tendenzen der Verkirchlichung widerstehen.

Da Veränderungen sowieso ständig geschehen, sei es gut, wenn Leiter dies der Gemeinde positiv vermitteln würden. „Es soll Freude machen etwas Neues auszuprobieren." Loh hob die Bedeutung guter Kommunikation hervor. Die Weitergabe von Information sei ganz wichtig. „Eine gute Gemeindeleitung informiert ihre Geschwister permanent. Die Gemeinde muss wissen, was die Leitung denkt. Weiß sie es nicht, denkt sie das Falsche." Mit Problemen solle von Anfang an transparent umgegangen werden. Meistens wüsste die Gemeinde sowieso schon Bescheid.

Loh empfahl für alle Aufgaben eine zeitliche Befristung zu vereinbaren, um das Abgeben von Verantwortung zu erleichtern. Positiv beurteilte Loh das Leitbild der AGB. Es biete sehr gute Ziele für die Gemeinden. Die Vorgaben seien visionär formuliert und würden für die Gemeinden sehr hilfreich sein.

Zusammenfassend formulierte Loh vier Thesen:

  1. Seht die Chancen die da sind und packt sie freudig an.
  2. Nimm dich nicht so wichtig.
  3. Liebe Deine Geschwister.
  4. Nimm die Geschwister an die Hand und lass sie zum rechten Zeitpunkt wieder los.

R. LorenzReinhard Lorenz wies im Bericht der Geschäftsführung auf die positiven Wirkungen der Imageverbesserungen und Strukturreform hin, die im vergangen Jahr eingeleitet wurden. Darauf habe es viele positive Reaktionen gegeben. Auch kritische Stimmen verschwieg er nicht, machte aber deutlich, dass es bei der Imagekampagne nicht um „Schein statt Sein" ginge, sondern darum, dass Vorurteile abgebaut und Zerrbilder korrigiert würden. Auch die vor zwei Jahren eingeleitete evangelistische Aktion „ 3-10-13" (drei neue Gemeinden in 10 Jahren in 13 Regionen), sei gut angelaufen. Es seien schon 13 Gemeindegründungsinitiativen entstanden.

Lorenz hob auch das Verhältnis zum Bund hervor, dass sich in den letzten Jahren deutlich verbessert habe. Durch die Strukturänderungen hätte die AGB die nötige Eigenständigkeit erhalten, um als eigene Gemeindebewegung neben den Baptisten unter dem Bundesdach effektiv arbeiten zu können. In diesem Zusammenhang wurde auch über einen neuen Rechtsstatus für Hauptberufliche Mitarbeiter in AGB-Gemeinden informiert. Diese neue rechtliche Absicherung - z.B. das „Zeugnisverweigerungsrecht", das gerade für Seelsorger in bestimmten Situationen sehr wichtig sein kann – ermöglicht der Staat (abgetreten an die Körperschaft) für „ordinierte Mitarbeiter". Dazu wurde im Bund eine neue „Liste für Pastoralreferenten" der AGB geschaffen. Die Zugangsvoraussetzungen regelt eine Leitlinie, die in der Geschäftsstelle angefordert werden kann. Es wurde aber auch deutlich, dass die Bezeichnung „Pastoralreferent" lediglich eine Außenwirkung habe – gegenüber Ämtern, Krankenhäuser usw. Gemeindeintern habe sie keine Bedeutung.

D. KlattAuf der Tagung wurde auch Diethard Klatt (Frankenberg) als der neue Leiter der Verwaltungsstelle der AGB in Leipzig eingeführt. Der 47-jährige löst Daniel Flechsig im Herbst ab, der noch weiter studieren will. Als AGB-Vertreter im Präsidium des Bundes wurde Ralf Kaemper entsandt. Er löst dort Reinhard Lorenz ab, der diese Aufgabe 12 Jahre wahrgenommen hatte.

In seiner Abschlussandacht wies Christian Göttemann (Lindlar) auf das letzte Wort der Apostelgeschichte hin: „ungehindert". Dies sei programmatisch: Gott überwindet Hindernisse – bis heute. Dies sei ein Schlüsselwort der Apostelgeschichte – und der Gemeinde Jesu zu allen Zeiten.

Ralf Kaemper

 
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